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Dortmunds neue Sozialdezernentin: Frauke Füsers definiert wichtige Arbeitsfelder

Seit rund acht Wochen ist Dortmunds neue Sozialdezernentin Frauke Füsers im Amt. Die Zeit hat sie genutzt, um sich in die Themen ihres Dezernats einzuarbeiten. Nun benennt sie ihre primären Arbeitsfelder.

Weit oben auf der Prioritätenliste von Frauke Füsers, die Angang November die Nachfolge von Birgit Zoerner angetreten hat, steht das Thema demografischer Wandel. Bis 2035 steigt die Zahl der über 60-Jährigen in Dortmund auf über 170.000 Menschen an. Zwar gebe es in Dortmund ein breites Unterstützernetzwerk, auf Dauer müsse dieser Entwicklung aber zum Beispiel durch mehr Fachkräfte in der Pflege begegnet werden. „Ein wichtiges Arbeitsfeld, mit dem ich mich beschäftigen werde“, erklärt Frauke Füsers, die neben dem Sozialen auch für die Bereiche Sport, Arbeit, Gesundheit und Freizeit zuständig ist.

Demografischer Wandel und soziale Ungleichheit

Frauke Füsers im Rathaus Dortmund
Bild: Stadt Dortmund / Torsten Tullius
Frauke Füsers stellt ihre Kernthemen als Dezernentin vor.
Bild: Stadt Dortmund / Torsten Tullius

Ähnlich wie der demografische Wandel ist auch soziale Ungleichheit ein allgemeingesellschaftliches Thema, das für Dortmund relevant ist. So erhalten rund 100.000 Menschen in Dortmund, darunter viele Kinder, eine Mindestsicherung, etwa nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Rund ein Viertel aller Kinder lebt in Haushalten, die SGB II-Leistungen beziehen, besser bekannt als „Bürgergeld“.

Für „gute Startchancen für Kinder“

Die Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchungen, die von ihrem Dezernat durchgeführt werden, zeigen außerdem, dass der Anteil der Kinder, die Auffälligkeiten bei elementaren Entwicklungskompetenzen zeigen, stetig steigt. Dies zeigt sich zum Beispiel beim Lernen, im Umgang mit anderen oder bei der Motorik.

Frauke Füsers: „Wir möchten Kindern gute Startchancen und ein gutes Aufwachsen ermöglichen. Dazu braucht es Freizeit- und Sportangebote. Darüber hinaus möchten wir die Präventions- und Untersuchungsangebote, die es schon gibt, besser nutzen, indem wir zum Beispiel das Modell der ‚Gesundheitsfachkräfte‘ weiter ausbauen. So packen wir perspektivisch auch das Problem des Fachkräftemangels an.“

Unterstützung für ältere Menschen und Menschen mit Behinderung

Neben den Kindern gilt Frauke Füsers Aufmerksamkeit besonders älteren Menschen und Menschen mit Behinderung. Hier sollen häusliche und stationäre Unterstützung, außerdem die soziale Absicherung weiter gewährleistet und verbessert werden. Dazu gehöre auch, dass die zuständigen Ämter im Stile eines One-Stop-Shops – wo möglichst viele bürokratische Schritte an einem Ort erledigt werden können – einen guten Service anbieten und bürgerfreundlich sind.

„Ich habe in meiner kurzen Zeit als Dezernentin schon super Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennengelernt. Aber die Rechtslagen sind sehr komplex, und oft können wir die Rahmenbedingungen nicht ändern. Deshalb werde ich auf den zuständigen Ebenen, sei es Bund oder Land, für Verbesserungen werben.“

Darüber hinaus gelte es, städtische und bürgerliche „Potenziale zu bündeln“, um etwa durch Begegnungsangebote Einsamkeit zu verringern oder durch zielgruppenorientierten Sport das Risiko für Pflegebedürftigkeit möglichst gering zu halten. „Vorsorgen ist besser als reparieren“, so Frauke Füsers.

Digitalisierung, die alle mitnimmt

Auch beim Thema Digitalisierung möchte Füsers für Verbesserungen werben. Eine Querschnittsaufgabe, bei der sie mit Blick auf die Reformbemühungen im Bund klar kommunizieren möchte, wo eine Stadt wie Dortmund Vereinfachungspotentiale sieht.

„Wir sollten alles digitalisieren, was möglich ist. Dabei werden wir aber die sogenannten Offliner, also zum Beispiel ältere Menschen, die keinen Internet-Zugang haben, nicht aus den Augen verlieren.“

Armut vorbeugen

Ein weiterer Punkt auf der Agenda ist das Thema Armut. „Insgesamt sind in Dortmund recht viele Menschen auf Unterstützungsleistungen angewiesen“, so die Dezernentin. Das zeige bildlich die Mindestsicherungsquote, „ein Indikator für Armut“, die zurzeit bei 17,2 Prozent liege.

Armut sei auch ein Grund für den Vertrauensverlust vieler Menschen in den Sozialstaat und die Demokratie. Frauke Füsers fasst dazu die Ergebnisse verschiedener Studien auf Bundesebene zusammen, laut derer rund 70 Prozent der Befragten geringes Vertrauen in Leistungsfähigkeit, Fairness und langfristige Finanzierung des deutschen Sozialstaats haben. „Das betrifft vor allem Personen mit geringen finanziellen Ressourcen. Hier möchte ich einen Beitrag leisten zu mehr sozialer Teilhabe, was auch zur Stabilität unserer demokratischen Werte beiträgt.“

Das beste Mittel, der Armut vorzubeugen, sind gute Arbeitsplätze. Frauke Füsers und ihr Dezernats-Team arbeiten entsprechend an neuen Projekten, um wirksam der Langzeitarbeitslosigkeit zu begegnen. Auch ältere Formate, die inzwischen eingeschlafen sind, sollen gegebenenfalls wiederbelebt werden: „Ich möchte diese Menschen wieder in den Arbeitsmarkt integrieren. Dazu gehören auch die Menschen mit Migrationsgeschichte.“

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