Stellungnahme der Fraktion DIE LINKE & Tierschutzpartei im Rat der Stadt Dortmund zum Ratsbürgerentscheid über die Bewerbung um die Olympischen Spiele 2036/2040/2044
JA zum Sport! - Nein zu Olympia!
Liebe Dortmunder*innen,
bitte stimmen Sie beim Ratsbürgerentscheid mit Nein. Sagen Sie Nein zu Olympia vor der Haustür. Die Fraktion Die Linke & Tierschutzpartei bittet Sie, sich gegen die Bewerbung von Dortmund - und 16 weiteren NRW-Kommunen - um die Austragung der Olympischen und Paralympischen Spiele auszusprechen. Wir erklären Ihnen gerne die Gründe:
Allein die Durchführung der Ratsbürgerentscheide in den 17 Kommunen kostet rund 10 Mio.€ an Steuergeldern. In Dortmund sind das 1,8 Mio.€. Und dann Olympia selbst: Die Spiele in Paris 2024 haben 6,6 Mrd.€ gekostet - „mit nur einem bescheidenen wirtschaftlichen Einfluss auf das Land“, sagt der französische Rechnungshof. Die Schätzungen für die „deutschen“ Spiele liegen zwischen 20 Mrd.€ (Aussage München) und „bescheidenen“ 4,8 Mrd.€ (NRW-Ministerpräsident Wüst).
Die Linke und die Tierschutzpartei möchten lieber den Breitensport fördern. Der Landessportbund schätzt den Nachholbedarf für den Breiten- und Schulsport auf 3,6 Mrd.€ in NRW. Die sog. Sport-milliarde des Landes NRW, mit der aktuell geworben wird, deckt nicht mal den Sanierungsstau ab. Auch sind positive Auswirkungen durch Olympia nicht zu erwarten. Die Erfahrungen mit Olympischen Spielen weltweit sind eher, dass Mieten explodieren, sozial Benachteiligte vertrieben werden und Kommunen auf zusätzlichen Schulden sitzen bleiben. Auch die Folgen für Mensch und Natur, für Klima und Stadtentwicklung waren größtenteils negativ. Und dann erst der Verkehr: Das IOC fordert, dass in maximal 1 Stunde alle Sportstätten erreichbar sein müssen. Wer schon einmal versucht hat, in 1 Stunde von Köln nach Dortmund zu gelangen, kann sich dazu eine eigene Meinung bilden.
Liebe Dortmunder*innen, mit Ihrer Stimme sollen Sie der Stadt und dem Land NRW einen Blanko-scheck erteilen, denn es gibt noch kein Finanzkonzept! Das International Olympic Committee ist kein demokratisch gewähltes Gremium, sondern ein privater Verein, der hinter verschlossenen Türen entscheidet und Verträge oft nicht vollständig offenlegt. Am Ende tragen Steuerzahler*innen und Städte das Risiko - während Gewinne und Vermarktung beim IOC und großen Sponsoren landen. Das IOC steht für Bereicherung, Korruption und Demokratiefeindlichkeit zugunsten einiger weniger. (Das sieht auch der wissenschaftliche Dienst des Bundestages so: „Zur Verwendung der Einnahmen aus den Olympischen Spielen“ - WD 8 - 3000 - 064/24, 27.09.2024)
Ungesicherte Finanzen, ungesicherte soziale Auswirkungen und Umweltbelastungen verdienen Ihre Zustimmung nicht. Für Ihre privaten Finanzen würden Sie auch niemandem einen Blankoscheck ausstellen. Stimmen Sie daher mit NEIN.
Mit freundlichen und sportlichen Grüßen
Fatma Karacakurtoğlu, Fraktionsvorsitzende
Utz Kowalewski, Fraktionsvorsitzender
Alena Blaß, sportpolitische Sprecherin