Stellungnahme der Gruppe BSW im Rat der Stadt Dortmund zum Ratsbürgerentscheid über die Bewerbung um die Olympischen Spiele 2036/2040/2044
Die BSW-Gruppe im Rat der Stadt Dortmund begrüßt und unterstützt den Ratsbürgerentscheid zur Austragung der Olympiade in unserer Rhein-Ruhr-Metropole und in unserer Stadt.
Es ist richtig, die Entscheidung denjenigen zu übertragen, die in jeder Hinsicht die Folgen einer Olympia-Bewerbung zu tragen haben.
Unsere Region, geprägt von Sportbegeisterung und Weltoffenheit, kann sich selbstbewusst dafür bewerben, die Welt zusammenzubringen zum olympischen Wettkampf.
Unsere traditionelle Vereinskultur mit vielfältigen Breitensport-Angeboten, unsere zahlreichen Sportstätten und unsere interkulturelle Gastfreundschaft zeichnen uns dafür aus, die traditionellen olympischen Werte zu feiern und ein friedliches Fest der Völkerfreundschaft auszurichten.
Schaut man auf die Entwicklung der Olympischen Spiele, stellt sich allerdings die Frage, ob diese Werte heute noch uneingeschränkt erkennbar sind.
Politische Entwicklungen überlagern immer stärker den friedlichen und gleichberechtigten Wettkampf der Nationen.
Boykotte und Ausschlüsse von Sportlerinnen und Sportlern vertragen sich nicht mit den olympischen Werten, genauso wenig wie das Profitstreben bei gleichzeitigem Abwälzen der finanziellen Risiken.
Das Internationale Olympische Komitee (IOC) fordert umfassende Steuerbefreiungen für sich und seine (Werbe-)Partner.
Als weiteres Privileg der IOC-Partner wird festgeschrieben, dass konkurrierende Werbung während der Spiele aus dem Stadtbild verschwinden muss.
Gleichzeitig zwingt der „Host City Contract“ des IOC die Stadt (und damit den Steuerzahler) zur unbegrenzten Defizitgarantie.
Das IOC trägt nur einen Sockelbetrag, alle Risiken einer Überschreitung werden der
Allgemeinheit aufgebürdet.
Das ist das höchste Risiko, das eine Stadt eingehen kann.
Hinzu kommt, dass die Kosten für Olympia in den letzten Jahrzehnten derart explodiert sind, dass sie vielen austragenden Städten immense Schuldenlasten aufgebürdet haben.
Historische Daten der Universität Oxford zeigen auf, dass Olympische Spiele seit 1960 durchschnittlich eine Kostenüberschreitung von 179 % nach sich ziehen.
Das alles gilt es zu bedenken bei der Entscheidung für oder gegen die Bewerbung zur Ausrichtung der Olympiade.