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Natur & Umwelt

Messwerte zeigen: „Schwarze Emscher" ist Geschichte

Es war ein Meilenstein in der Geschichte des Strukturwandels im Revier: Vor genau vier Jahren konnte die Emschergenossenschaft nach 30 Jahren Bauzeit die vollständige Abwasserfreiheit in der Emscher verkünden. Die Emscher, 170 Jahre lang ein offener Schmutzwasserlauf und zeitweise sogar der am stärksten verschmutzte Fluss Europas, führt mittlerweile wieder klares Wasser.

Die Ergebnisse der seit 2022 erfolgten Gewässerüberwachung belegen, dass sich die frühere „Köttelbecke“ allmählich von den Folgen der Industrialisierung erholt. Erste positive Entwicklungen zeigen einen Rückgang von Schadstoffen und einen Anstieg des Sauerstoffgehalts auf. Die Artenvielfalt in dem geschundenen Fluss wächst wieder.

Weniger Belastung durch Bergbau-Aus

Ein Blick von der Emscherbrücke auf die Emscher.
Bild: Aline Steinmann
Die biologische Entwicklung der Emscher im Raum Dortmund ist weit fortgeschritten.
Bild: Aline Steinmann

Das Monitoring zeigt eindrucksvoll den Wandel von der „schwarzen Emscher“ zu einem durch Grund- und Regenwasser sowie gereinigtem Abwasser geprägten Flusslauf. Die Konzentration von Ammonium, Phosphat und organischem Kohlenstoff hat sich seit der vollständigen Inbetriebnahme des unterirdischen Abwasserkanals Emscher (AKE) deutlich verringert. Der AKE führt über 51 Kilometer lang von Dortmund bis Dinslaken. Der Sammler nimmt all die Schmutzfracht auf, die zuvor über 170 Jahre lang wegen des bergbaubedingten Fehlens von Abwasserkanälen direkt in den Emscher-Fluss eingeleitet wurde.

Apropos Bergbau: Der Entfall des Grubenwassers seit März 2023 hat ebenfalls zu einem drastischen Rückgang der Salzbelastung in der Emscher geführt – ein weiterer enorm wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer blaugrünen Emscher.

Sauerstoffgehalt zeigt biologische Entwicklung

Der für die biologische Entwicklung wichtigste Parameter in einem Gewässer ist Sauerstoff: Die Sauerstoffgehalte in der Emscher entsprechen bisher allerdings nur oberhalb der Kläranlage Dortmund-Deusen im Raum Dortmund ganzjährig den Anforderungen. Im weiteren Verlauf erreicht die Emscher diesen Zielwert überwiegend nicht. Aus diesem Grund ist die im April 2025 in Betrieb genommene vierte Reinigungsstufe auf der Kläranlage in Dortmund-Deusen mit einer zusätzlichen Sauerstoffanreicherung ausgestattet, sodass im Zuge der Abwasserreinigung sauerstoffreiches Wasser in die Emscher eingeleitet wird.

Guter chemischer Zustand ist noch nicht erreicht

Bei den Spurenstoffen weist die Emscher – wie viele andere Flüsse auch – Grenzwertüberschreitungen auf. Das Gewässermonitoring hilft, die Altlasten-Einflüsse er bergbau- und Industriegeschichte zu identifizieren und gegebenenfalls zu sanieren.

Insgesamt ist der gute chemische Zustand nach EU-Wasserrahmenrichtlinie in weiten Teilen der Emscher demnach noch nicht erreicht – was angesichts des jahrzehntelangen Schicksals der Emscher als offener Schmutzwasserlauf auch keine wirkliche Überraschung darstellt.

Die Natur kehrt in die Emscher zurück

Die biologische Besiedlung der Emscher hat dennoch bereits mit der vor vier Jahren erreichten Abwasserfreiheit und insbesondere mit der daraufhin erfolgten Öffnung der neuen Emscher -Mündung in den Rhein bei Dinslaken und Voerde eingesetzt. „Seitdem hat die Zahl aquatischer Arten im gesamten Emscher-Einzugsgebiet kontinuierlich zugenommen. Mittlerweile haben aquatische Wirbellose, Fische, Wasserpflanzen und Kieselalgen mit insgesamt 336 Arten den neuen Fluss für sich erobert. „Im Vergleich zu den Vorjahren konnte im Jahr 2024 entlang des gesamten Hauptlaufs der Emscher eine Zunahme der Arten festgestellt werden“, sagt Dr. Nadine Gerner, bei der Emschergenossenschaft Leiterin der Abteilung „Fluss und Landschaft“.

Erfolg braucht Zeit – Oberlauf der Emscher ist bereits länger revitalisiert

Gewässermessung an der Emscher.
Bild: Rupert Oberhäuser/EGLV
Im Zuge des Gewässermonitorings an der Emscher werden die Pumpen, die das Flusswasser in die Messtation befördern, regelmäßig kontrolliert.
Bild: Rupert Oberhäuser/EGLV

Im Oberlauf der Emscher, der seit mehr als zehn Jahren abwasserfrei ist und ökologisch umgestaltet wurde, werden die Anforderungen an die Gewässerchemie bereits weitgehend eingehalten. Die Fauna weist hier Arten mit hohen Ansprüchen an Sauerstoff und Strukturvielfalt des Lebensraums auf.

„Der Oberlauf beweist: Bis zur Ausbildung einer gewässertypischen Lebensgemeinschaft und Erreichung der Ziele der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie, dem guten chemischen und ökologischen Zustand, benötigt es Zeit, in der Regel mindestens zehn Jahre. Die Emscher selbst befindet sich noch in einer Phase der Neuentwicklung, aber es sind bereits deutliche Fortschritte bei der Gewässergüte und damit auch der biologischen Qualität erkennbar und weiter zu erwarten“, sagt Nadine Gerner.

Das Emscher-Monitoring

Um den Fluss rund um die Uhr zu beobachten, übermitteln Online-Messstationen entlang der Emscher im Fünf-Minuten-Takt Informationen zu „Vitalwerten" wie Sauerstoff, Temperatur und Nährstoffen. Dazu fördert eine Pumpe, die im Fluss platziert ist, kontinuierlich Wasser in einen Messcontainer. In diesem Messcontainer befinden sich verschiedene Sonden, die die eigentlichen Messungen vornehmen. Die Daten können online von den Fachleuten der Emschergenossenschaft eingesehen und abgerufen werden. Seit 2024 sind zwei weitere Online-Messstationen hinzugekommen. „Damit ist die geplante Dichte von acht Messstationen entlang der Emscher erreicht.

Die Messcontainer befinden sich in den Städten Dortmund (oberhalb und unterhalb der Kläranlage Dortmund-Deusen), Castrop-Rauxel, Recklinghausen, Bottrop (oberhalb und unterhalb der Kläranlage Bottrop), an der Stadtgrenze Oberhausen/Dinslaken sowie in Dinslaken zwischen der Kläranlage der Emschergenossenschaft an der Turmstraße sowie der Emscher-Mündung in den Rhein.

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