Internationales
Dortmund und Netanya: Neue Projekte, klare Zeichen der Erinnerung
Eine Dortmunder Delegation hat Ende Januar Dortmunds Partnerstadt Netanya in Israel besucht. Die Reise brachte neue Ideen für Schulen, Kitas, Klima und Kultur – und setzte starke Zeichen der Solidarität zum Internationalen Holocaust-Gedenktag.
Ende Januar 2026 reiste eine siebenköpfige Dortmunder Delegation nach Israel. Der lang geplante Besuch fiel in eine besonders sensible Phase: Der Internationale Holocaust-Gedenktag, der Beginn des 45. Jubiläums der Städtepartnerschaft und der Amtsantritt eines neuen Bürgermeisters in Netanya gaben dem Austausch besondere Bedeutung.
Schulpartnerschaften sollen wieder lebendig werden
Ein zentrales Ergebnis der Reise: Dortmund und Netanya wollen den direkten Schüleraustausch wieder aufnehmen. Nach digitalen Begegnungen wächst auf beiden Seiten der Wunsch nach persönlichen Treffen.
In der Tchernichovsky-Schule, Partnerschule des Heisenberg-Gymnasiums, sprachen Jugendliche offen über den Terrorangriff vom 7. Oktober 2023 und dessen Folgen. Lehrkräfte betonten den Wunsch nach Frieden und Verständigung. Auch die Rabin-Grundschule, Partnerschule der Berswordt-Europa-Grundschule, zeigte gegenüber Dennis Neumann, Leiter des Fachbereichs Schule der Stadt Dortmund, großes Interesse an einer Fortsetzung des Austauschs – gerade mit Blick auf den neuen jüdischen Standort der Dortmunder Grundschule.
Impulse für Kitas, Klima und Stadtentwicklung
In Netanya gewann FABIDO-Geschäftsführer Daniel Kunstleben Einblicke in die frühkindliche Bildung vor Ort: Kleine Gruppen, eine enge Verbindung von Bildung und Gesundheit und die gezielte Unterstützung für zugewanderte Familien prägen das Harry-und-Jeanette-Weinberg-Zentrum für frühkindliche Bildung in Netanya. Beide Städten haben verabredet, zu diesem Thema in Verbindung zu bleiben.
Auch Stadtentwicklung stand im Fokus. Netanya setzt auf urbane Wälder, Schutz vor Küstenerosion und wassersparende Systeme. Diese Erfahrungen fließen in Dortmunder in Überlegungen zu klimaangepasstem Bauen ein.
Gemeinsam gegen Hass und Desinformation
Ein gemeinsames Thema der Bildungsarbeit in Netanya und Dortmund ist Medienkompetenz: In Netanya lernen Jugendliche früh und systematisch, Falschinformationen zu erkennen und einzuordnen. Auch in Dortmund gab es im vergangenen Jahr erstmals ein von der Stadt entwickeltes zentrales Workshop-Angebot im Rathaus, das künftig weiter ausgebaut werden soll.
Zeichen der Erinnerung und Verantwortung
Der Besuch in der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem gehörte zu den prägendsten Momenten der Reise. Die Dortmunder Delegation legte im „Tal der Gemeinden“ einen Kranz nieder – als Zeichen des Gedenkens und der Verantwortung. Gespräche mit Pädagoginnen, Pädagogen und Historikern unterstrichen die Bedeutung von Bildung im Kampf gegen Antisemitismus. Auch der Besuch bei AMCHA Netanya, einem Zentrum für Holocaust-Überlebende und ihre Familien, machte deutlich, wie wichtig Zuhören und Erinnern bleiben.
Blick nach vorn: Jubiläum und Besuche geplant
Offiziell wurden die Dortmunder in Netanya vom stellvertretenden Bürgermeister Adir Benyamini empfangen, der dem Delegationsleiter, Martin van der Pütten, Leiter Internationale Beziehungen der Stadt Dortmund, ein symbolisches Straßenschild überreichte, das nach Mascha Kaléko, einer renommierten deutsch-jüdischen Dichterin, benannt ist.
Der neue Bürgermeister von Netanya, Avi Slama, ist bereits für einen Gegenbesuch nach Dortmund eingeladen – Anlass dafür ist das Stadtfest DORTBUNT sowie das 45. Jubiläum der Städtepartnerschaft zwischen Dortmund und Netanya im Mai 2026. Zum Ende des Besuchs würdigte die Dortmunder Delegation die im November 2025 verstorbene Bürgermeisterin von Netanya, Miriam Fierberg-Ikar, mit einem Besuch an ihrem Grab auf dem Friedhof in Netanya.
Mehr zur Städtepartnerschaft mit Netanya finden Sie auf dortmund.de/international.
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