Stadtplanung
„Mehr Ernte kann man nicht einfahren“: Preis für Macher des PHOENIX Sees
Es ist DAS große Dortmunder Leuchtturmprojekt dieses Jahrhunderts: Vor 20 Jahren wurde auf dem Gelände des ehemaligen Stahlwerks PHOENIX Ost mit dem Aushub des PHOENIX Sees begonnen. Jetzt hat die Gesellschaft zur Förderung des Strukturwandels in der Arbeitsgesellschaft e.V. (GFS) das bedeutendste Symbol des Wandels von der Montanindustrie zum modernen Ruhrgebiet mit dem „Dortmunder Dialogpreis 2026“ ausgezeichnet.
Im Rahmen der Veranstaltung „Dortmunder Dialog“ in der Sparkassen-Akademie, die am 3. Februar zum 91. Mal stattfand, erhielten den Preis drei „Macher“ des PHOENIX Sees. Im Anschluss ging es um die Frage „Quo vadis, Dortmund?“ – wie geht es mit der Stadtentwicklung für Dortmund weiter? Welche Großprojekte sind möglich?
Stille Macher „ins Licht geholt"
„Wir haben uns entschieden, aus dem großen Kreis der Personen, die den Preis verdient hätten, drei ,Macher‘ in den Vordergrund zu stellen, die das Projekt planerisch und praktisch bewegt und vorangetrieben haben“, so die GFS zum Hintergrund der Preisverleihung. Moderator Kay Bandermann stellte fest, „eine Familie von Begeisterten“ hätten den Phoenix-See begleitet. „Man hat das Wasser in die Stadt geholt und nutzt es als attraktives Element.“
Geehrt wurden
- der Planer Norbert Kelzenberg, „der die Idee für den See auf PHOENIX Ost entwickelte und über eine lange Strecke die Planzeichnungen immer wieder weiterentwickelt, umgeplant und angepasst hat.“
- Für das Team der Geschäftsführung der Entwicklungsgesellschaft PHOENIX See 21, Ludger Schürholz, zuletzt Geschäftsführer von d-port21
- und für das Team der Stadtverwaltung Dortmund der über viele Jahre zuständige Dezernenten Ludger Wilde, „der nicht nur dieses Projekt der Dortmunder Stadtentwicklung bereichert hat!“.
Der Erfolg des Projektes habe sehr viel mit den Persönlichkeiten der drei Ausgezeichneten zu tun, hob Laudator und Journalist Oliver Volmerich hervor. Sie verbinde ein „ruhiges, bedächtiges und sehr seriöses“ Wesen. Durch den Preis würden die Verdienste der zurückhaltenden, beharrlichen Macher ins Licht geholt. Das Trio habe Dortmund „schöner und lebenswerter“ gemacht. Mehr Ernte kann man für seine Arbeit nicht einfahren“, schloss er.
„Spirit des Strukturwandels fortsetzen"
Von der verrückten Idee, die im „Giftschrank“ von Ex-OB Gerhard Langemeyer landete, über Europas größte Baustelle bis zum Deutschen Städtepreis 2018. Auch wenn der Ideengeber Norbert Kelzenberg krankheitsbedingt leider fehlte, erfuhren die knapp 100 Gäste viele Anekdoten und Hintergründe zu dem Erfolgsprojekt.
Ex-Planungsdezernent Ludger Wilde erinnerte zunächst an gelungene Projekte der Vergangenheit (Rathausbau, Technologiepark, Stadtkrone Ost, Hohenbuschei, die Bahnhofsflächen Ost und Süd), die allesamt in Zeiten knapper Kassen entstanden seien. In die Zukunft gerichtet, gab er den aktuell Verantwortlichen, einen Wunsch mit auf den Weg: „Ich wünsche mir, dass man diesen Spirit, den man in den letzten 40 Jahren des Strukturwandels hier in Dortmund gehabt hat, auch in den kommenden Jahren fortsetzt und wieder diesen Schulterschluss unter allen Akteuren dieser Stadtgesellschaft findet. Wenn etwas nicht funktioniert, liegt es in der Regel nicht am fehlenden Geld, sondern an der fehlenden Zusammenarbeit der Akteure.“
5.000 bis 6.000 neue Wohneinheiten
Im Anschluss gab Birgit Niedergethmann, Leiterin des Stadtplanungs- und Bauordnungsamtes, einen Überblick über die künftigen großen Stadtplanungsprojekte in Dortmund, strukturiert in die großen Themenbereiche Grün, Wohnen, Bauten und City. Zugleich erinnerte sie an die veränderten Herausforderungen an die urbane Entwicklung in Dortmund wie Klimaanpassung und wachsende Bevölkerung.
Den zeitlich größten Rahmen des Vortrags nahm dabei das Thema Wohnen ein. Das Wichtigste für viele vorweg: Die Stadt hat momentan 3.400 Wohneinheiten in unterschiedlichen Projekten (z.B. Karlsquartier, Kronprinzenviertel, ehemaliges Nixdorf-Gelände in der Gartenstadt, Deggingstraße, Gneisenau) in Realisierung oder Planung. Birgit Niedergethmann: „Wir haben weitere Projekte im Verfahren, so dass wir momentan 5.000 bis 6.000 neue Wohneinheiten in der Klappe haben.“
Weitere große Stadtplanungsprojekte:
Nordspange
HSP-Gelände
Energiecampus
IGA-Gelände
Nördliches Bahnhofsumfeld
Zum Thema: Der PHOENIX See
Der PHOENIX See ist ein künstlich angelegter See im Dortmunder Stadtteil Hörde auf dem ehemaligen Stahlwerksgelände Phoenix-Ost und gilt als Vorzeigeprojekt des Strukturwandels in Dortmund und im Ruhrgebiet.
- Gesamtareal des Projekts: rund 98–100 Hektar.
- Wasserfläche des Sees: ca. 24 Hektar, Fassungsvermögen etwa 600.000 m³.
- Abmessungen: Länge etwa 1,23 km, maximale Breite ca. 310–320 m, mittlere Tiefe um 2,5–2,8 m, maximale Tiefe rund 4,6 m.
- Rundweg um den See: etwa 3,2 km lang.
- Flutung: Start im Herbst 2010; Uferbereich/Freigabe für die Öffentlichkeit am 9. Mai 2011.
- Nutzung: Naherholungsgebiet mit Promenaden, Gastronomie, Wohnen, Büros; erlaubt sind u.a. Segeln, Rudern und andere motorlose Boote, Baden und Angeln sind nicht erlaubt.
- Stadtentwicklung: Rund um den See entstanden über 2.000 Wohneinheiten; im Quartier lebten 2024 gut 3.300 Menschen.
- Ökologie: Der See wird mit Emscherwasser gespeist, ist Teil der Renaturierung der Emscher; die Wasserqualität gilt als gut, ohne erhöhte Schwermetallbelastung.
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