Natur & Umwelt
Naturschutzgebiet „Lanstroper See“: Früherer Bergbau gestaltete das Wasserschutzgebiet
Dortmund beheimatet insgesamt 35 Naturschutzgebiete, die eine Vielzahl von unterschiedlichen Ökosystemen und Lebensräumen bieten. Eines davon ist im Nordosten Dortmunds – der Lanstroper See. Die Wasserfläche des Lanstroper Sees ist etwa acht Hektar groß und ist das drittgrößte Stillgewässer der Stadt Dortmund.
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Städtisches Leben mit grünen Rückzugsorten – das kombiniert Dortmund. Mit 35 Naturschutzgebieten, die sich über das gesamte Stadtgebiet erstrecken und eine Fläche von 2.700 Hektar umfassen, sollten dafür Beweis genug sein. Diese Gebiete bieten zahlreichen, teils bedrohten Amphibien- und Vogelarten ein sicheres Zuhause. Dortmund hat vor allem in seinen Außenbereichen viele Wälder, Bachauen und andere schützenswerte Bereiche – so zum Beispiel den Lanstroper See im Stadtbezirk Scharnhorst.
Natur- und Wasserschutzgebiet „Lanstroper See“
Der Lanstroper See im Nordosten Dortmunds ist ein Biotop mit einer bemerkenswerten Vielfalt. Im 20. Jahrhundert war Dortmund eine Bergbauregion. Das Gebiet rund um den Lanstroper See geht auf den Steinkohlebergbau zurück – nach Absenkungen im Boden entstand in den 60er Jahren der See. Das Gebiet ist also insgesamt durch Bergsenkungen geprägt. Damit gehört es zu den Naturschutzgebieten, die als Sekundärbiotope bezeichnet werden, weil sie durch Bergsenkungen in Folge des Steinkohlenbergbaus im 20. Jahrhundert entstanden sind. Sekundärbiotope als Naturschutzgebiete sind besonders für die Sukzessionsentwicklungen in den Naturräumen des Ruhrgebiets typisch. Hier entstand die Natur also mit der Zeit und nicht plötzlich.
Das Areal ist eingebettet in einen Biotopverbund, zu dem auch das Landschaftsschutzgebiet "Lanstrop, Kurl" sowie die Naturschutzgebiete "Kurler Busch" und "Alte Körne" gehören. Seit 1990 gehört dieses Gebiet in den
Heimat für viele Vögel, Amphibien und Insekten
Die Kernzonen des Schutzgebietes sind die großen Gewässer als Brut- und Nahrungsbiotope für Wasservögel und der Hienbergwald mit seinen alten, forstlich seit Jahrzehnten ungenutzten Laubwald-Biotopen. Insgesamt ist das Schutzgebiet ein regional herausragender Refugial- und Trittsteinbiotop innerhalb der stark von Siedlungen geprägten Hellwegbörde um Dortmund, Kamen und Lünen.
Der Lanstroper See ist von besonderer ökologischer Bedeutung. Er ist mit ca. 8 ha das drittgrößte Dortmunder Stillgewässer und ein wertvoller Biotop für brütende und rastende Wasservögel. Zusätzlich ist der See Laichgewässer und Lebensraum für viele Amphibien.
Flora und Fauna können sich entfalten
Ein bedeutsamer Gewässerkomplex stellt der Deponieteich, auch bekannt als Lüserbachsee, im Nordwesten des Naturschutzgebiets dar. Dieser wurde als Ausgleichsmaßnahme für die angrenzende Deponie im Westen des Naturschutzgebiets angelegt. Ein florales „Highlight“ bildet der Saum, der das Stillgewässer umgibt und ein entsprechendes Arteninventar beherbergt. Dort wächst verteilt und in großer Zahl eine Orchidee, eine Hybride der Knabenkräuter, zusätzlich sind auch der Große Klappertopf (Rhinanthus serotinus) und das Große Flohkraut (Pulicaria dysenterica) im Saum immer häufig anzutreffen.
Der Hienbergwald besticht durch seine reiche strukturelle Vielfalt, die sich in zahlreichen Baumhöhlen, mehreren Horstbäumen, aufgebrochenen Wurzeltellern, temporären Kleinstgewässern sowie stehendem und liegendem Totholz äußert. Im Nordwesten des Hienbergwaldes wachsen Stiel-Eichen (Quercus robur) im Alter von 121 bis 140 Jahren.
Der Hienbergwald zählt zu den FNW-Flächen (Fläche natürliche Waldentwicklung) in Dortmund. Hier findet keine forstwirtschaftliche Nutzung mehr statt.
Das Naturschutzgebiet „Lanstroper See“ bietet eine abwechslungsreiche Struktur an Lebensräumen, die zahlreichen Vogelarten mit verschiedenen Habitat-Anforderungen als Brut- und Rastplätze dient. Das Arteninventar wird seit vielen Jahrzehnten als außergewöhnlich gut bewertet, obwohl das Gebiet relativ klein ist. Die große Vielfalt an Brutvogelarten ist auf die Mischung aus unterschiedlichen Lebensräumen wie alten Wäldern, weitläufigen Gewässern, Schilfbeständen und weiteren extensiv genutzten Offenlandbiotopen zurückzuführen.
Brutvögel:
Habicht (Accipiter gentilis), Neuntöter (Lanius collurio), Rohrweihe (Circus aeruginosus), Wasserralle, Sumpfrohrsänger, Rohrammer, Zwerg- und Haubentaucher.
Rast- und Zugvögel:
Für folgende Rastvögel und Vögel auf dem Durchzug ist der See von besonderer Bedeutung: Reiherenten, Tafelenten; selten auch mal Moor- oder Schellenten.
Amphibien- und Reptilienarten:
Bergmolch (Mesotriton alpestris), Erdkröte (Bufo bufo), Grasfrosch (Rana temporaria), Teichmolch (Lissotriton vulgaris), Wasserfrosch-Komplex (Pelophylax esculentes Komplex)
Insekten:
Libellen werden jährlich kartiert. In 2024 wurden 32 Libellenarten erfasst (E. und W. Postler 2024). Es besteht ein hoher Artenreichtum, z.B. mit Kleiner Königslibelle
Unter den Heuschrecken wurde die Sumpfschrecke nachgewiesen als typischer Art von Feucht- und Nassgrünland. nur vier bekannte Vorkommen in Dortmund.
Besondere Pflanzen:
Knabenkraut, Große Klappertopf (Rhinanthus serotinus) oder das Große Flohkraut (Pulicaria dysenterica)
Schutz und Pflege
Im Naturschutzgebiet führt die Stadt Dortmund in Zusammenarbeit mit dem RVR und der EDG regelmäßig Pflegearbeiten durch, darunter Wiesenmahd, Beweidung, Kopfbaumschnitt sowie die Pflege von Obstbäumen und Streuobstwiesen.
Der Hienbergwald gehört zum Stadtwald und wird gemäß dem Ökologischen Waldkonzept für Dortmund bewirtschaftet. Dabei hat die Schutzfunktion Vorrang vor anderen Aspekten.
Entlang des Wanderweges finden sich Infotafeln, um die Bürgerinnen und Bürger über die Tier- und Pflanzenwelt des Schutzgebietes zu informieren.
Hinweise für Besucherinnen und Besucher
Kurzer Appell an die Besucherinnen und Besucher: Bitte verlassen Sie die Wege in den Naturschutzgebieten nicht und leinen Sie Ihren Hund an bzw. führen ihn auf den Wegen, um seltene Tiere und Pflanzen nicht zu stören und der Natur einen Rückzugsraum zu lassen. Laute Geräusche können bei vielen Tierarten Fluchtreflexe auslösen, bitte verhalten Sie sich entsprechend ruhig. Und fast das Wichtigste: Genießen Sie die Schönheit, Vielfalt und die frische Luft!
Die Kanadische Goldrute ist ein invasiver Neophyt und in NRW inzwischen weit verbreitet. Durch ihre zahlreichen Samen und unterirdischen Ausläufer kann sie sich schnell ausbreiten und dichte, artenarme Bestände bilden.
Am Lanstroper See tritt sie vor allem auf Flächen auf, die nicht regelmäßig beweidet, gemäht oder gepflegt werden. Bei regelmäßiger Nutzung wird sie deutlich zurückgedrängt.
Im Naturschutzgebiet sind die Goldrutenbestände Teil eines Mosaiks unterschiedlicher Lebensräume aus extensivem Grünland, Gehölzen, Röhrichten und Hochstaudenfluren. Auch wenn dichte Goldrutenbestände botanisch artenarm sind, können sie beispielsweise dem Sumpfrohrsänger geeignete Bruthabitate bieten.
Die Goldrute wird daher durch die Pflege der angrenzenden Flächen in ihrer Ausbreitung begrenzt, soll im NSG aber nicht vollständig beseitigt werden.
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