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Ein Quartier auf dem Weg

Bühne frei fürs Brückviertel

Unter den neun Quartieren der City schillert eines besonders: das Brückviertel. Das Kultur-, Ausgeh- und Szeneviertel ist das vielfältigste und zugleich wohl meistdiskutierte. Als Brücke zwischen Hoch-, Pop- und Subkultur führt es Welten zusammen. Die harmonieren vielleicht nicht immer auf den ersten Blick, ergeben zusammen aber einen unverkennbaren, urbanen Vibe. Um das Viertel in seiner Einzigartigkeit zu stärken, tut die Stadt viel – ebenso wie engagierte Akteur*innen im Quartier.

Das Brückviertel hat eine lange Tradition als Ausgehmeile. Seit der Jahrhundertwende vereinen sich hier der Reiz des Vergnügens und des Verbotenen. Die „Dortmunder Zeitung“ nannte die Brückstraße in einer Ausgabe von 1911 gar ein „St. Pauli im Kleinen“. „Ein ewiger Strom von Trinkfreudigkeit, Ohrenschmaus und Augenweide rauscht durch die Straße“, heißt es dort weiter.

Foto eines Mannes, der in einem Lokal Currywurst isst. Aus dem Fenster heraus ist das Dortmunder Konzerthaus zu sehen.
Bild: Benito Barajas
Schnellrestaurants und Hochkultur sind auf der Brückstraße direkte Nachbarn.
Bild: Benito Barajas

Auch heute ist das Gebiet um die Brückstraße ein Ausgehviertel, das Spektrum allerdings ist breiter: Mit dem Vokalmusikzentrum, das die Chorakademie beheimatet, dem Konzerthaus, der umgebauten ehemaligen Diskothek Spirit und der neu eröffneten Szene- und Kulturkneipe Hirsch-Q mit Club-Bühne und Live- und Kulturprogramm sowie dem Jazzclub Domicil, mit dem Programmkino Schauburg und dem Superraum von DORTMUND KREATIV, mit dem Pianohaus van Bremen an der Hansastraße und Clubs wie Oma Doris und den Nightrooms gibt es hier Kultur aller Art, Tag und Nacht. Im Westfalenhaus haben die Stadt Dortmund mit der Verwaltung von Dortmund.Musik und in der 5. Etage die Glen-Buschmann-Jazzakademie Räume bezogen. Dazu kommen zahlreiche Mode- und andere Geschäfte, ein Arcade-Gaming-Center und eine breite Landschaft an internationalen Imbissen und Schnellrestaurants. Wer am Wochenende abends durch die Innenstadt zieht, taucht im Brückviertel ein in pulsierendes Leben.

Was allerdings eher dünn gesät ist: gehobene Gastronomie. Hier wünschen sich Aktive einen ebenso breiten Brückenschlag wie im musikalischen Bereich. „Auswärtige fragen manchmal nach Ausgehmöglichkeiten nach dem Konzert und wundern sich dann, dass in der direkten Umgebung so wenige gehobene Bars oder Restaurants zu finden sind“, berichtet zum Beispiel Jule Wiesener aus der Öffentlichkeitsarbeit des Konzerthauses beim jüngsten Quartierstreffen im Juni im Café Bäumchen. Die Quartierstreffen organisiert seit 2024 das städtische Citymanagement – belebt werden sie aber von den vielen Akteur*innen des Quartiers.

Regelmäßige Quartierstreffen

Die Quartierstreffen im Brückviertel sind offene Plattformen. Hier formulieren Akteur*innen Anregungen und Kritik, schmieden aber auch gemeinsame Projekte. In der vergangenen Vorweihnachtszeit etwa ging die neue winterliche Beleuchtung der Brückstraße, gefördert durch den städtischen City-Fonds, aus den Quartierstreffen hervor.

Stark und bereits seit Langem im Brückviertel engagiert ist auch DORTMUND KREATIV. Leerstehende Ladenlokale im eigenen Besitz stellt die Stadt via DORTMUND KREATIV der Kulturszene zur Verfügung: die Räume HANS A, HANS B und HANS C in der Ladenzeile an der nördlichen Hansastraße zum Beispiel. Auch einen Großteil der zahlreichen künstlerischen Wandbilder im Quartier hat die Stadt unterstützt – zuletzt das Werk der Künstlerin Giza am Durchgang vom Platz am Apfelbrunnen zum Alten Burgwall.

Foto eines bunt bemalten Torbogen-Durchgangs.
Bild: Benito Barajas
Farbig gestaltet lädt die Bogenpassage zum Platz am Apfelbrunnen ein – kuratiert von DORTMUND KREATIV, gestaltet von der Künstlerin GIZA.
Bild: Benito Barajas

Noch mehr Kultur soll das Viertel durchdringen, wenn das Museum für Kunst und Kulturgeschichte an der Hansastraße sich baulich-gestalterisch in das Viertel öffnet. Das ist langfristig geplant. Um kurzfristiger ein zeitgemäßes Ambiente und ein besseres Sicherheitsgefühl zu schaffen, hat die Stadt unlängst die Straßenbeleuchtung auf der Brückstraße ausgetauscht.

Das kam im Quartier gut an: In einem Brief an die politischen Fraktionen haben die Akteur*innen nun den Wunsch geäußert, dies auch auf die Nebenstraßen auszuweiten.

Mit der 2024 abgeschlossenen Modernisierung der DOPARK-Tiefgarage Konzerthaus gibt es im Brückviertel zudem nun das wohl hellste und modernste Parkhaus der City. Bei der Verteilung der mobilen grünen Möbel bildet das Brückviertel einen Schwerpunkt.

Aktive gestalten das Viertel

Foto einer Fußgängerzone in der Dämmerung mit bunten Blumenampeln an den Straßenleuchten.
Bild: Benito Barajas
Wenn es Nacht wird im Brückviertel, locken Clubs, Bars und Konzertstätten Ausgehfreudige in die City.
Bild: Benito Barajas

Neben der Stadt sind es die Aktiven, die das Viertel gestalten. Ben Bolderson vom Club Oma Doris zum Beispiel nimmt die Entwicklung in Sachen gastronomische Vielfalt selbst in die Hand: „Wir renovieren aktuell den Leeds-Pub an der Reinoldistraße und planen eine baldige Wiedereröffnung“, berichtet er.

Eine Ecke weiter, an der Kreuzung Reinoldistraße/ Bischofsgasse, bereichert seit 2023 das Café Bäumchen die Vielfalt im Viertel. Anfangs gefördert durch die städtischen Wettbewerbe „Anstoß“ und „Geschmackstalente“, hat es sich inzwischen etabliert. Das Angebot mit Frühstück, Kaffee und Kuchen sowie Mittagstisch à la carte schätzen Shoppingmüde ebenso wie Menschen, die in der City arbeiten. Auch einen Tagungsraum gibt es.

„Oft beobachte ich Mütter, die im Auto auf ihre Kinder warten, die an der Chorakademie unterrichtet werden“, erzählt Betriebsleiterin Ingrid Klöckener-Schickentanz, „die können gern bei uns einen Kaffee genießen.“ Und dabei noch etwas Gutes fürs Gemeinwohl tun: Das Café Bäumchen ist ein Inklusionsbetrieb, Menschen mit und ohne Behinderung arbeiten hier Hand in Hand.

Viele Ideen zur Verbesserung

Parken, Baustellen und Durchgangsverkehr – in diesen Punkten sehen einige Akteur*innen Optimierungsmöglichkeiten im Brückviertel. Und stellen beim Quartierstreffen auch Ideen zur Diskussion, um das Image des Viertels zu stärken und neue Zielgruppen zu erschließen: Kann man Parkplätze reduzieren, Pop-up- Fußgängerzonen einrichten, einen Feierabendmarkt etablieren, einen Nachtflohmarkt oder eine lange Tafel aufbauen? Yvonne Johannsen vom Team des Citymanagements verspricht, die Ideen kurzfristig auf Machbarkeit prüfen zu lassen. Gleichzeitig appelliert sie an die Anwesenden, Baustellen nicht einseitig negativ zu sehen, sondern gemeinsam die Perspektive zu wechseln: „Jede Baustelle ist auch ein Zeichen dafür, dass sich was tut und in die Zukunft investiert wird.“

Das tut auch das Domicil und eröffnet im Herbst nach einer baulichen Erweiterung ein zusätzliches Foyer mit Garderobe und Tageslicht-Raum, auch geeignet für Konferenzen. Die Außengastronomie nutzen laut Geschäftsführer Waldo Riedl allerdings immer weniger Gäste. Er führt das auf die Rahmenbedingungen in der City zurück und verweist auf allzu bekannte Herausforderungen.

Herausforderungen sind im Blick

Historisches Foto des heutigen Platzes von Leeds
Bild: Stadtarchiv 502-02_04-09-02
Auf Brück- und Reinoldistraße herrschte schon in den 1930er-Jahren reges Leben.
Bild: Stadtarchiv 502-02_04-09-02

Penetrantes Betteln, Drogenkonsum, Müll, Kioske als Problem-Magneten – diese Aspekte benennen einige Akteur*innen beim Quartierstreffen im Juni, und die Stadt hat das im Blick. Der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) beschreibt das Viertel zwar mit Blick auf die Einsatzstatistik als nicht besonders auffällig im Vergleich zu anderen Quartieren. „Aber wir nehmen das subjektive Empfinden trotzdem sehr ernst“, betont Marcel Kemper vom KOD. „Zum Beispiel erhalten wir immer die Veranstaltungspläne vom Konzerthaus und verstärken an ausgewählten Tagen unsere Präsenz, soweit es unsere Personaldecke zulässt.“

Der rege Austausch beim Quartierstreffen macht deutlich: Die Akteur*innen im Brückviertel haben viele Ideen und zeigen großes Engagement, ihr Quartier attraktiver zu machen. Yvonne Johannsen sichert die Unterstützung bei der Vernetzung mit allen relevanten städtischen Ansprechpartner*innen zu. Und weist noch einmal auf Angebote hin, die Dortmunds Innenstadtquartiere nach vorn bringen sollen: den Anmietungs-Fonds, über den zwei neue Vermietungen im Brückviertel in der Vorbereitung sind, und den City-Fonds. Projekte zur Quartiersaufwertung können daraus zu 50 Prozent mit bis zu maximal 10.000 Euro gefördert werden.

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